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Toni Friedel (Malerei)

Toni Friedel zeigt figürliche Arbeiten. Schon der erste Blick auf die linien- und flächenbetonte Darstellung seiner Portraits verrät uns, dass er eigentlich von der Graphik her kommt. Im Foyer hier werden Sie gleich von zwei Prachtexemplaren empfangen: von Weizsäcker und von der Spaghetti-Esserin, beide Köpfe in großzügiger Linienmanier auf eine Zeitungsseite gemalt, auf der Fotos der beiden ins Künstlerische übertragenen Köpfe gedruckt sind. Steigerung durch Übermalung, und ein Spiel mit Techniken und Medien zugleich. 

Entree Friedel
   

  
Toni Friedel studierte seit 1986 besonders Druckgraphik und die zeichnenden Künste und Techniken an der Hochschule für Kunst und Musik in Bremen hauptsächlich bei Professor Wolfgang Schmitz-Drößler. 1994 machte Toni Friedel als Meisterschüler sein Diplom in der Freien bildenden Kunst. Man muss dazu sagen, dass er sein Kunststudium eher nebenberuflich absolvierte/meisterte, denn Toni Friedel hatte seit 1971 das Diplom der Wirtschaftswissenschaften der Universität Bochum in der Tasche und war berufstätig beim Senator für Umweltschutz und Stadtentwicklung in Bremen. Da kämpften dann eine Weile sicherlich zwei Seelen in seiner Beamten-Brust, doch am Ende gewann die Kunst und er zog mit seiner Familie nach Kiel, wo er sich zum Kunstlehrer am Waldorflehrerseminar ausbilden ließ.  Doch seit 2001 arbeitet er als freischaffeder Künstler. In seinem gemalten, wilden, farbexpressiven Selbstbildnis von 2007 entlädt sich die ganze künstlerische Freiheit genussvoll! Letztes Jahr hatte er im Kunstkreis Preetz eine große Schau.

Die feine Auswahl Toni Friedels für Achterwehr führt uns zu einem seiner zentralen Aspekt, nämlich in seinen Arbeiten den Bezug zur Realität zu behalten. Der Künstler selbst führt das darauf zurück, dass er mit der Zeichenklasse Schmitz-Drößler häufig zum Zeichnen nach draußen ging, in die Stadt, zum Hafen, in die Landschaft, aber auch in die Bremer Kunsthalle, quasi Zeichnen nach dem Original bzw. das originale Vorbild zeichnerisch in die eigene Handschrift umsetzen. "So ist der Bezug zur Realität", schreibt Toni Friedel selbst, "seien es bestimmte Orte, Zeitungsfotos oder auch Fundstücke aus Literatur und Umwelt sowie die Verbundenheit mit der malerischen Tradition in meiner eigenen Arbeit stets präsent geblieben." Beispielhaft dafür sehen wir hier den großen Büchner, den Verfasser von Dantons Tod  und Woyzeck. Der bedeutende Vormärz-Literat und Revolutionär wird hier großformatig gewürdigt in Acryl nach dem Vorbild einer Skizze von Alexis Muston (1810-1888) von ca. 1835, einem Straßburger Kommilitonen. Vielleicht ist das ja noch aus Schulzeiten im Gedächtnis: Friede den Hütten, Krieg den Palästen! - Büchners Parole zur Revolution.

Toni FriedelDas Graphische und das Malerische sehen wir ebenso vereint in dem Acryl-Bild "Geigerin", das nach einem Zeitungsfoto entstand und das Portrait der weltberühmten amerikanischen Violinistin Hilary Hahn wiederspiegelt. Allerdings ist diese frontale Portraitbüste aus dem Gleichgewicht geworfen - achten Sie auf die Verkantung der Vertikalachse - und sie ist mit einem Schatten-Kopf wie ein zweites Ich hinterlegt. Und alles vor alarmierendem knallgelbem Grund! Allein die schwarze Haarsträhne spannt sich über beide Köpfe, über zwei Seiten ihrer Persönlichkeit. Es wäre nicht zu weit hergeholt, hier an die in Siebdruck-Technik gemachten Promi-Portraits eines Andy Warhol als Quelle der Inspiration zu  denken. Im Figürlichen - so scheint es - durchzieht sein Œuvre ein kulturelles Narrativ: die Erinnerung an literarische Persönlichkeiten der Kulturgeschichte, auch an musikalische wie die Bleistiftzeichnung Schubert zeigt, aber auch an Berühmtheiten unserer Gegenwart, wie eingangs erwähnt. Das sollte nicht verschwiegen werden: zum ersten Mal werden hier in der Galerie auch Zeichnungen ausgestellt - außer Schubert noch ein Selbstbildnis und ein Christus am Kreuz, Symbol für Leid, Tod und Überwindung der Erdenschwere. Sie hängen wie die anderen Arbeiten auf Papier im Foyer geschützt vor praller Sonneneinstrahlung.

Text: Dr. Bärbel Manitz, aus der Eröffnungsrede zu "Wege, die sich kreuzen", 05.04.2019

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